Seit genau 25 Jahren denken wir nicht mehr nur an „große Oper“, wenn der Name „Ver.di“ fällt, sondern auch an „große Gewerkschaft“. Die „Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft“ -entstanden aus der Fusion von fünf Einzelgewerkschaften - vertritt heute nach wie vor mit großem Beharrungsvermögen eine ebenso umfangreiche wie bunte Klientel, nämlich Beschäftigte im Öffentlichen Dienst und im Einzelhandel, in der Transportbranche und in den Medien, und sie ist (nach der IG Metall) die zweitgrößte Gewerkschaft in Deutschland. Aber was heißt das in der heutigen Arbeitswelt? In einer Arbeitswelt, in der immer weniger Beschäftigte Mitglied in einer Gewerkschaft sind, in der sich immer mehr Spartengewerkschaften bilden und in der zur Unternehmenslandschaft auch Online-Plattformen gehören? Wer vertritt Beschäftigte in der digitalen Arbeitswelt? Seit Jahrzehnten kämpfen Gewerkschaften für höhere Löhne, bessere Arbeitszeiten und mehr Mitbestimmung - und zugleich gegen den Vorwurf, der Wirtschaft zu schaden, Reformen zu blockieren und ihre Arbeitskämpfe auf dem Rücken der Bevölkerung auszutragen, wenn etwa Züge und Busse nicht fahren oder Mülltonnen nicht abgeholt werden. Ohne Beharrlichkeit werden Gewerkschaften, statt am längeren Hebel zu sitzen, wohl eher den Kürzeren ziehen. Aber ob Beharrlichkeit eine Tugend ist, hängt immer davon ab, worauf man beharrt. Haben also Gewerkschaften in Deutschland zu viel Einfluss oder inzwischen zu wenig?
Oliver Glaap spricht über all das mit dem Historiker Dr. Knud Andresen von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, mit Knut Steinkopf, Campaigner bei Ver.di, mit Nicolas Ziebarth, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler am ZEW-Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und mit einem Mitglied der selbstorganisierten Interessenvertretung Lieferando Workers Collective.
Podcast-Tipp: Der Rest ist Geschichte
Gewerkschaften - Der lange Kampf ums Arbeitsrecht
Gewerkschaften sind vor allem dann in den Schlagzeilen, wenn sie zu Streiks aufrufen oder Tarifverhandlungen ins Stocken geraten. Historisch haben sie bedeutenden Anteil an der Durchsetzung von Arbeitsrechten. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Im Podcast „Der Rest ist Geschichte“ können Sie mehr dazu hören. Sie finden den Podcast in der ARD Sounds App
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