318 episodes
- In Berlin wurde gerade gewählt. Sehr stark war dabei die Partei „Die Linke“. Ihr Hauptthema im Wahlkampf war bezahlbares Wohnen. Die Linke möchte Wohnungen von großen Konzernen „vergesellschaften“. Das bedeutet, dass sozusagen Berlin den Konzernen die Wohnungen abkaufen würde. Sie würden dann der Gesellschaft, also uns allen, gehören. Jemand hat ausgerechnet, dass das bis zu 36 Milliarden Euro kosten würde.
Und warum wollen die Berlinerinnen und Berliner das? Weil sie heute, im Jahr 2026, ungefähr 70 Prozent mehr Miete bezahlen müssen als vor zehn Jahren. Obwohl sie nicht so viel mehr verdienen und auch andere Kosten gestiegen sind. Grund genug, dass wir heute mal über die Wohnungssuche in Deutschland sprechen.
Wer heute in Deutschland eine Wohnung sucht, braucht oft viel Geduld. Besonders in großen Städten wie München, Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist es schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Viele Menschen bewerben sich gleichzeitig auf dieselbe Wohnung. Manchmal kommen mehr als hundert Interessenten zu einer einzigen Besichtigung. Deshalb wird häufig gefragt: Warum ist Wohnen in Deutschland so teuer?
Früher war die Situation anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland eine große Wohnungsnot. Viele Häuser waren zerstört worden, und Millionen Menschen hatten keine Wohnung mehr. In den 1950er- und 1960er-Jahren begann deshalb ein umfangreicher Wohnungsbau. Der Staat unterstützte den Bau neuer Wohnungen. In vielen Städten entstanden ganze Wohnviertel. Damals ging es vor allem darum, möglichst schnell genügend Wohnraum zu schaffen.
In den folgenden Jahrzehnten verbesserte sich die Lage. Neue Wohnungen wurden gebaut, und viele Familien konnten sich ein eigenes Haus leisten. Gleichzeitig lebten die Menschen oft anders als heute. Familien waren größer, und mehrere Kinder teilten sich häufig ein Zimmer. Heute wohnen mehr Menschen allein oder zu zweit. Dadurch werden mehr Wohnungen benötigt, obwohl die Bevölkerung nicht im gleichen Maß wächst.
Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass Deutschland ein Land mit vielen Mietern ist. In vielen anderen europäischen Ländern besitzen deutlich mehr Menschen ihre eigene Wohnung oder ihr eigenes Haus. In Deutschland lebt dagegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur Miete. Deshalb spielt der Mietmarkt eine besonders große Rolle.
Seit den 1990er-Jahren sind viele Städte für neue Bewohner attraktiver geworden. Universitäten wachsen, Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, und immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte. Dort gibt es oft bessere Chancen auf einen Job, ein Studium oder kulturelle Angebote. Gleichzeitig entstehen aber nicht immer genügend neue Wohnungen. Ich merke das hier in München schon seit vielen Jahren. In München haben sich Firmen wie Google und Apple niedergelassen. Bei Google sind das 1500 neue Arbeitsplätze. All diese Menschen brauchen Wohnungen. Sie verdienen gut, also steigen auch die Mieten. Für die Menschen mit weniger Geld wird es also schwieriger, bezahlbare Wohnungen in der Innenstadt zu finden.
Wenn viele Menschen eine Wohnung suchen, das Angebot aber klein ist, steigen die Preise. Dieses einfache Prinzip kennt man auch aus anderen Bereichen der Wirtschaft. Besonders deutlich sieht man es in beliebten Stadtteilen. Dort sind Wohnungen oft schnell vermietet, und die Mieten steigen weiter.
Auch die Baukosten haben sich verändert. Heute sind Materialien wie Holz, Stahl oder Beton häufig teurer als früher. Außerdem gelten strengere Vorschriften für Energieeffizienz, Brandschutz und Schallschutz. Diese Regeln haben viele Vorteile, machen den Bau neuer Häuser aber oft teurer. Hinzu kommen höhere Kosten für Grundstücke, Handwerker und Kredite.
Besonders seit dem starken Anstieg der Zinsen in den Jahren 2022 und 2023 ist der Wohnungsbau schwieriger geworden. Viele Bauprojekte wurden verschoben oder ganz abgesagt, weil die Finanzierung teurer wurde. Dadurch entstanden weniger neue Wohnungen als geplant.
Ein weiterer Begriff, der oft in den Nachrichten vorkommt, ist der soziale Wohnungsbau. Dabei handelt es sich um Wohnungen, die mit staatlicher Unterstützung gebaut werden. Sie sind für Menschen mit geringem Einkommen gedacht und haben meist niedrigere Mieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland sehr viele Sozialwohnungen gebaut. Später sank ihre Zahl jedoch, weil viele Wohnungen nach einer bestimmten Zeit nicht mehr an diese Regelung gebunden waren. Heute versuchen Bund, Länder und Kommunen wieder, mehr sozialen Wohnungsbau zu fördern.
In Deutschland gibt es außerdem verschiedene Gesetze zum Schutz von Mietern. Die Kündigung einer Wohnung ist zum Beispiel nicht einfach möglich. Außerdem gibt es in einigen Regionen die sogenannte Mietpreisbremse. Sie soll verhindern, dass die Mieten bei einer Neuvermietung sehr stark steigen. Die Wirkung dieser Regel wird allerdings unterschiedlich bewertet. Manche Experten halten sie für hilfreich, andere glauben, dass sie das Problem allein nicht lösen kann.
Nicht nur die Miete selbst ist teurer geworden. Wer eine Wohnung mietet, muss meistens auch Nebenkosten bezahlen. Dazu gehören zum Beispiel Heizkosten, Wasser, Müllabfuhr und andere Betriebskosten. Vor allem die Energiepreise haben sich in den vergangenen Jahren zeitweise deutlich erhöht. Dadurch stiegen für viele Haushalte die gesamten Wohnkosten.
Auch Ferienwohnungen spielen in manchen Städten eine Rolle. Wohnungen, die an Touristen vermietet werden, stehen den Einwohnern nicht mehr dauerhaft zur Verfügung. Einige Städte haben deshalb Regeln eingeführt, um die Umwandlung normaler Wohnungen in Ferienwohnungen zu begrenzen.
Interessant ist auch, dass sich die Situation innerhalb Deutschlands stark unterscheidet. In einigen ländlichen Regionen gibt es leer stehende Häuser und Wohnungen. Dort suchen Gemeinden manchmal sogar neue Einwohner. In großen Städten dagegen ist Wohnraum knapp. Deshalb ziehen manche Menschen bewusst etwas weiter aufs Land und pendeln jeden Tag zur Arbeit.
Die Wohnungssuche gehört für viele Menschen inzwischen zu den größten Herausforderungen beim Umzug. Wer sich auf eine Mietwohnung bewirbt, bringt oft verschiedene Unterlagen mit. Dazu gehören zum Beispiel Gehaltsnachweise, eine Schufa-Auskunft und manchmal auch eine Bescheinigung des bisherigen Vermieters. Vor allem in Städten mit vielen Bewerbern möchten Vermieter möglichst viele Informationen über ihre zukünftigen Mieter haben.
Auch Wohngemeinschaften, kurz WGs, sind in Deutschland sehr beliebt. Mehrere Menschen teilen sich dabei eine Wohnung und bezahlen gemeinsam die Miete. Besonders Studierende entscheiden sich oft für diese Wohnform, weil sie günstiger ist als eine eigene Wohnung. Viele junge Berufstätige wohnen ebenfalls einige Jahre in einer WG.
Noch ein Beispiel aus meiner eigenen Stadt München: Wir haben einen neuen Oberbürgermeister. Er ist sehr jung und gehört zur Partei „Die Grünen“. Er heißt Dominik Krause. Und dieser OB versucht nun, aus leerstehenden Büros Wohnungen zu machen. In München gibt es nämlich viele leerstehende Büros. Durch die Pandemie arbeiten viele Menschen im Homeoffice, es werden nicht mehr so viele Büros gebraucht. Also kann man versuchen, diese umzubauen – damit Menschen darin wohnen können. 10.000 neue Wohnungen sollen so entstehen. Ich bin gespannt, ob es klappt.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg325kurz.pdf - Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Freizeit und weniger Stress im Beruf. Deshalb hört man in den letzten Jahren oft einen Begriff: die Vier-Tage-Woche. Die Idee ist einfach. Statt an fünf Tagen pro Woche zu arbeiten, arbeiten die Beschäftigten nur an vier Tagen. Dabei gibt es allerdings verschiedene Modelle. Manche Menschen arbeiten an vier Tagen jeweils etwas länger und kommen so auf die gleiche Zahl von Arbeitsstunden wie vorher. Andere arbeiten tatsächlich weniger Stunden und erhalten trotzdem ihr volles Gehalt. Genau dieses Modell wird besonders häufig diskutiert.
Aber schauen wir erstmal in die Geschichte. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen zweihundert Jahren stark verändert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren 14 bis 16 Stunden Arbeit pro Tag normal. Sechs Tage die Woche. Während der Industrialisierung waren dann Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden keine Seltenheit. Es gab kaum Urlaub, und viele Fabrikarbeiter hatten nur den Sonntag frei.
Mit der Zeit entstanden Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten. 1918, also gleich nach dem Ersten Weltkrieg, gab es in Deutschland die Novemberrevolution. Unternehmer und Gewerkschaften einigten sich damals auf den Acht-Stunden-Tag.
Von einer Kampagne möchte ich Dir erzählen. Sie startete 1955, mitten im deutschen Wirtschaftswunder. Damals lief die Wirtschaft so gut, dass viele Fabrikarbeiter Überstunden machten. Sie arbeiteten also mehr als die Stunden, für die sie bezahlt wurden. 48 Stunden waren das im Durchschnitt pro Woche. Auch am Samstag mussten die Männer – es waren damals vor allem Männer – arbeiten.
Also sagten die Gewerkschaften: Fünf Tage pro Woche, 40 Stunden Arbeit. Und der Samstag ist frei. 1956 wurden die Plakate dafür gedruckt. Der Slogan war „Samstags gehört Vati mir“. Nach und nach wurden die Arbeitszeiten reduziert. Aus der Sechs-Tage-Woche wurde in vielen Berufen eine Fünf-Tage-Woche. 1959 begann es bei den Beschäftigten im Steinkohlebergbau, dann folgten Versicherungen und Banken und so weiter.
In den 1980er-Jahren war ich ein Kind, und ich erinnere mich gut daran, dass es immer wieder das gleiche Thema in den Nachrichten gab: Den Kampf um die 35-Stunden-Woche. Das hatte aber einen ganz anderen Grund als zuvor: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war sehr hoch. 1985 stieg sie auf 9,3 Prozent. Zum Vergleich: Heute im Jahr 2026 liegt sie bei 6,5 Prozent, 2019 waren es sogar nur 5 Prozent. Jedenfalls kam damals die Idee auf: Wenn alle Menschen weniger arbeiten, dann haben mehr Menschen Arbeit. Es kam zu Streiks in der Metallindustrie. Die Menschen kämpften für die 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber fanden das gar nicht gut. Sie sperrten Hunderttausende Beschäftigte einfach aus. Sie durften also nicht arbeiten und bekamen gar kein Geld mehr. Sieben Wochen dauerte dieser Streik. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss: 38,5 Stunden pro Woche. 1995 gab es dann wirklich die 35 Stunden-Woche.
Heute ist die Fünf-Tage-Woche in Deutschland der Normalfall, auch wenn Menschen in manchen Berufen weiterhin am Wochenende arbeiten müssen. Dazu gehören zum Beispiel Pflegekräfte, Polizisten, Busfahrer oder Mitarbeiter in Restaurants.
Auch die tägliche Arbeitszeit wurde kürzer. In Deutschland gilt heute das Arbeitszeitgesetz. Es legt fest, dass Beschäftigte grundsätzlich nicht länger als acht Stunden pro Werktag arbeiten sollen. Unter bestimmten Bedingungen sind bis zu zehn Stunden möglich, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb eines festgelegten Zeitraums wieder sinkt. Wir sind gerade im Westen bei 37,5 Stunden und im Osten bei 38,6 Stunden im Durchschnitt.
Die Diskussion über die Vier-Tage-Woche begann schon vor vielen Jahren, wurde aber besonders nach der Corona-Pandemie intensiver. Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen im Homeoffice. Sie merkten, dass sich ihre Arbeitsweise veränderte. Unternehmen stellten fest, dass manche Aufgaben auch mit flexibleren Arbeitszeiten gut erledigt werden konnten. Gleichzeitig sprechen viele Menschen heute mehr über ihre psychische Gesundheit und über die Balance zwischen Beruf und Privatleben.
Ein weiterer Grund für die Diskussion ist der Fachkräftemangel. Viele Unternehmen suchen dringend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einige hoffen, dass eine Vier-Tage-Woche den Arbeitsplatz attraktiver macht. Wenn Beschäftigte mehr Freizeit haben, entscheiden sich vielleicht mehr Menschen für dieses Unternehmen.
In den vergangenen Jahren wurden in verschiedenen Ländern Studien und Testprojekte durchgeführt. Besonders bekannt ist ein großer Versuch im Vereinigten Königreich. Mehrere Dutzend Unternehmen testeten dort die Vier-Tage-Woche über mehrere Monate. Viele Firmen berichteten anschließend, dass die Produktivität gleich blieb oder sich sogar verbesserte. Gleichzeitig gaben viele Beschäftigte an, dass sie zufriedener waren und sich weniger gestresst fühlten.
Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die mit einer Vier-Tage-Woche experimentieren. Manche Betriebe berichten von positiven Erfahrungen. Die Mitarbeiter fehlen seltener wegen Krankheit und fühlen sich stärker mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Andere Unternehmen stellen jedoch fest, dass das Modell nicht für jede Branche geeignet ist.
Denn die Arbeit ist sehr unterschiedlich. In einem Büro lassen sich Aufgaben oft flexibel organisieren. In einem Krankenhaus, einer Bäckerei oder einem Hotel ist das schwieriger. Dort müssen Menschen auch dann arbeiten, wenn Kunden oder Patienten Hilfe brauchen. Wenn alle Beschäftigten einen Tag weniger arbeiten, muss das Unternehmen zusätzliches Personal finden. Das ist nicht immer einfach.
Außerdem bedeutet eine Vier-Tage-Woche nicht automatisch, dass weniger gearbeitet wird. Manche Beschäftigte arbeiten an vier Tagen jeweils zehn Stunden. Sie haben zwar einen zusätzlichen freien Tag, sind an den Arbeitstagen aber länger im Betrieb. Andere Modelle verkürzen dagegen tatsächlich die Wochenarbeitszeit. Dann stellt sich die Frage, ob die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden kann.
Experten sprechen in diesem Zusammenhang oft über Produktivität. Damit ist gemeint, wie viel Arbeit in einer bestimmten Zeit geschafft wird. Wenn Arbeitsabläufe besser organisiert sind, können Beschäftigte manchmal in kürzerer Zeit genauso viel erreichen. Weniger Besprechungen, weniger Unterbrechungen und eine bessere Planung können dabei helfen.
Es gibt aber auch Kritik an der Vier-Tage-Woche. Manche Wirtschaftsverbände befürchten, dass Unternehmen höhere Kosten haben könnten, wenn sie den gleichen Lohn für weniger Arbeitsstunden zahlen. Andere sagen, dass Deutschland wegen des demografischen Wandels eigentlich mehr Arbeit brauche und nicht weniger. Die Bevölkerung wird älter, und viele Menschen gehen in den nächsten Jahren in Rente. Dadurch fehlen Arbeitskräfte in vielen Berufen.
Auch Arbeitnehmer sehen das Thema unterschiedlich. Einige wünschen sich mehr Freizeit, um Zeit mit der Familie zu verbringen oder Hobbys nachzugehen. Andere würden lieber mehr Geld verdienen als einen zusätzlichen freien Tag zu haben. Wieder andere arbeiten bereits in Teilzeit und organisieren ihre Arbeitszeit ganz individuell.
Die Diskussion zeigt, dass sich die Arbeitswelt ständig verändert. Vor hundert Jahren erschien die Fünf-Tage-Woche vielen Menschen ungewöhnlich. Heute ist sie selbstverständlich. Ob die Vier-Tage-Woche eines Tages ebenso normal wird, lässt sich noch nicht sagen. Sicher ist aber, dass Unternehmen, Beschäftigte, Gewerkschaften und Politiker weiterhin darüber diskutieren werden, wie Arbeit in Zukunft organisiert werden kann.
Für mich gilt das alles nicht: Ich bin Freiberuflerin. Ich arbeite zu Hause und produziere drei Podcasts. Und ich danke Dir, dass Du mich dabei bei Patreon oder auf slowgerman.com unterstützt.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg324kurz.pdf - WERBUNG | Möchtest du schneller Deutsch lernen? Dann empfehle ich dir italki! italki ist eine Online-Plattform zum Sprachenlernen, auf der du persönliche Einzelstunden mit muttersprachlichen Lehrkräften buchen kannst. Die Online-Stunden finden im Eins-zu-eins-Format statt, sodass du effektiv lernen kannst. Du kannst dein Hörverständnis verbessern und das Sprechen üben. Du bekommst Feedback in Echtzeit und Dein Lehrer oder Deine Lehrerin korrigiert Dich gerne. Du entscheidest selbst, wie oft du lernen möchtest. Du zahlst pro Stunde und kannst jederzeit aufhören. Und natürlich kannst du auf italki nicht nur Deutsch lernen, sondern über 150 weitere Sprachen – also praktisch jede Sprache.
Hast du Lust? Dann klicke auf den Link in der Beschreibung oder besuche slowgerman.com, um loszulegen. Kaufe italki-Guthaben im Wert von 10 $ und erhalte 5 $ Rabatt auf deine erste Stunde mit meinem exklusiven Promo-Code „SLOWGERMAN9“. Dieses Angebot gilt nur für die ersten 50 Nutzer.
Übrigens, falls du noch etwas mehr Motivation brauchst, um dranzubleiben: 2026 gibt es die italki Language Challenge. Wenn du durchhältst, kannst du in nur 45 Tagen große Fortschritte machen und Belohnungen verdienen.
Klicke hier, um Dein Sprachenabenteuer mit italki zu starten:
Web: https://go.italki.com/slowgerman2609
App: https://go.italki.com/slowgerman2609app
Und jetzt zur Folge:
Es gibt eine Sache, die sich gerade in Deutschland ändert. Mir fällt es immer häufiger auf. Und zwar geht es darum, wie die Menschen bezahlen.
In den USA zahlen die Leute schon sehr lange mit Kreditkarte. Das war hier nicht so. Hier bezahlte man wenn überhaupt mit einer EC-Karte, das ist keine Kreditkarte, sondern eine Bankkarte. Dazu später mehr. Am Liebsten zahlten die Deutschen aber schon immer mit Bargeld. Das scheint sich jetzt sehr schnell zu ändern. Seit man mit dem Handy bezahlen kann, machen das auch viele Leute. Sie finden das einfacher und schneller. Deshalb wird oft die Frage gestellt: Brauchen wir heute überhaupt noch Bargeld?
Bargeld gibt es schon sehr lange. Früher bezahlten die Menschen mit Muscheln, Salz oder Edelmetallen. Später wurden Münzen aus Gold, Silber oder Kupfer hergestellt. Papiergeld entstand zuerst in China. In Europa verbreiteten sich Geldscheine erst viele Jahrhunderte später. Heute benutzen fast alle Länder der Welt sowohl Münzen als auch Geldscheine.
In Deutschland bezahlten die Menschen früher mit der D-Mark. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt und war viele Jahrzehnte lang die Währung der Bundesrepublik Deutschland. Am 1. Januar 2002 änderte sich das. Seit diesem Tag bezahlen die Menschen hier mit dem Euro. Deutschland war eines der ersten zwölf Länder, die den Euro als Bargeld einführten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Euro eingeführt wurde. Wir konnten uns damals sogenannte „Starter Kits“ holen, da waren die neuen Münzen drin. Für manche war das spannend, für andere war es ungewohnt. Ich glaube, so ein Starter Kit habe ich heute immer noch irgendwo.
Am Anfang habe ich es ein wenig vermisst, im Urlaub eine andere Währung zu benutzen Es war ganz normal in meiner Kindheit. Urlaub in Italien? Wir zahlen mit Lira und müssen umrechnen. Genauso in Österreich oder Belgien. Heute zahlen wir (fast) überall mit Euro, die Rechnerei ist vorbei. Aber man kann auch keine Münzen mehr als Souvenirs mitbringen.
Die Euro-Münzen haben auf einer Seite ein gemeinsames europäisches Motiv. Die andere Seite zeigt ein nationales Motiv. In Deutschland sieht man zum Beispiel den Bundesadler oder das Brandenburger Tor. Ist Dir das schon aufgefallen? Die Geldscheine sehen in allen Ländern gleich aus. Sie zeigen Brücken und Bauwerke, die nicht real existieren.
Noch vor wenigen Jahren bezahlten die meisten Menschen in Deutschland wie gesagt fast alles mit Bargeld. Das hatte verschiedene Gründe. Viele Deutsche finden Bargeld übersichtlich. Wenn sie Scheine und Münzen in der Hand haben, sehen sie sofort, wie viel Geld sie noch ausgeben können. Außerdem mögen viele Menschen den Gedanken, dass Bargeld anonym ist. Wer bar bezahlt, hinterlässt normalerweise keine digitalen Daten über seinen Einkauf.
In anderen europäischen Ländern war die Entwicklung anders. In Schweden oder den Niederlanden wurde das Bezahlen mit Karte schon früh sehr beliebt. Deutschland galt dagegen lange als Bargeld-Land. Viele kleinere Geschäfte akzeptierten bis vor kurzem gar keine Kartenzahlung oder erst ab einem bestimmten Betrag. Wer nur eine Brezel oder eine Zeitung kaufen wollte, musste oft bar bezahlen.
Und warum hat es sich geändert, dass die Menschen heute mehr mit Karte zahlen? Besonders während der Corona-Pandemie änderte sich das Verhalten vieler Kunden. Viele Geschäfte baten ihre Kunden darum, möglichst kontaktlos zu bezahlen. Dadurch nutzten auch Menschen digitale Bezahlmethoden, die vorher lieber Bargeld verwendet hatten.
Heute kann man in Deutschland fast überall mit Karte bezahlen. Selbst auf vielen Wochenmärkten oder in kleinen Bäckereien gibt es inzwischen Kartenlesegeräte. Trotzdem gibt es immer noch Orte, an denen Bargeld wichtig ist. Manche kleinen Restaurants oder Imbisse akzeptieren nur Barzahlung. Auch auf Flohmärkten oder bei privaten Verkäufen wird meistens bar bezahlt. Es gibt auch einen Unterschied, ob du in der Stadt oder auf dem Land bezahlen möchtest. In den Städten ist das Zahlen mit Karte meistens möglich. Du sagst dann einfach „Mit Karte bitte“.
Überlegen wir mal, welche Pro- und Contra-Argumente wir finden. Ein Vorteil von Bargeld ist, dass es auch ohne Strom oder Internet funktioniert. Wenn ein technisches Problem auftritt oder das Kartenterminal ausfällt, können Kunden trotzdem bezahlen. Deshalb sehen manche Experten Bargeld als wichtige Reserve für Notfälle. Die Deutsche Bundesbank betont regelmäßig, dass Bargeld ein wichtiges Zahlungsmittel bleiben soll.
Ein weiterer Vorteil ist wie schon gesagt der Datenschutz. Bei einer Kartenzahlung oder einer Zahlung mit dem Smartphone entstehen digitale Daten. Banken oder Zahlungsdienstleister können sehen, wann und wo bezahlt wurde. Sie können ein Profil ihrer Kunden aufstellen, wissen genau, wo diese sich aufhalten und was sie kaufen. Bei einer Barzahlung ist das anders. Deshalb sagen manche Menschen, Bargeld schütze ihre Privatsphäre besser.
Es gibt aber auch Argumente gegen Bargeld. Banken müssen Geldscheine und Münzen transportieren, zählen und sicher aufbewahren. Auch Geschäfte haben mehr Arbeit, wenn sie jeden Abend ihre Kasse abrechnen und Bargeld zur Bank bringen müssen. Das kostet Zeit und Geld. Digitale Zahlungen können deshalb einfacher sein.
Außerdem kaufen immer mehr Menschen im Internet ein. Dort kann man nicht mit Bargeld bezahlen. Online-Shops akzeptieren meistens Überweisungen, Kreditkarten, PayPal oder andere digitale Zahlungsmethoden. Für viele Menschen gehören diese Bezahlarten deshalb längst zum Alltag.
In Deutschland gibt es außerdem wie schon erwähnt eine besondere Karte, die fast jeder Erwachsene besitzt: die Girocard. Früher wurde sie oft EC-Karte genannt. Obwohl dieser Name offiziell nicht mehr verwendet wird, sagen viele Menschen noch immer „EC-Karte“. Mit ihr bezahlen jedes Jahr Millionen Menschen ihre Einkäufe. Die Girokarte ist verbunden mit dem Girokonto. Das ist also das Bankkonto, auf das zum Beispiel das Gehalt eingeht. Ich kann mit der Girokarte das Konto bis zu einem vorher festgelegten Betrag überziehen. Überziehen bedeutet, dass ich mehr ausgebe, als ich auf dem Konto habe. Es rutscht dann ins Minus. Aber lang nicht in dem Maße, wie es bei Kreditkarten möglich ist. Für Jugendliche kann man diese Funktion komplett sperren, dann können sie nur das Geld ausgeben, das sie auch wirklich auf dem Konto haben.
Auch das Smartphone wird immer wichtiger. Mit Diensten wie Apple Pay oder Google Pay kann man bezahlen, ohne eine Karte aus der Tasche zu holen. Dafür wird die Kreditkarte einmal im Smartphone gespeichert. Anschließend reicht es oft, das Telefon kurz an das Kartenlesegerät zu halten. 51 Prozent der Deutschen zahlen mittlerweile bargeldlos.
Manche Menschen fragen sich, ob Bargeld irgendwann ganz verschwinden wird. Im Moment sieht es nicht danach aus. Euro-Banknoten und Euro-Münzen sind gesetzliche Zahlungsmittel in allen Ländern der Eurozone. Die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken stellen weiterhin Bargeld her und sorgen dafür, dass genügend Geldscheine und Münzen im Umlauf sind.
Gleichzeitig arbeiten viele Länder an digitalen Zahlungsmöglichkeiten. Auch die Europäische Zentralbank prüft seit einigen Jahren die Einführung eines digitalen Euro. Dabei handelt es sich nicht um Bargeld, sondern um eine elektronische Form des Euro. Ein solcher digitaler Euro würde das Bargeld nach den bisherigen Plänen nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Wir müssen auch bedenken, dass viele finanzielle Angebote in den USA beheimatet sind. Zum Beispiel die großen Kreditkarten VISA und Mastercard, aber auch PayPal und ähnliche Dienste. Das sorgt für eine gewisse Abhängigkeit von den USA. Daher bauen europäische Firmen und Banken gerade ihre eigenen Netze auf. Wero ist zum Beispiel ein Dienst, mit dem ich bezahlen kann ähnlich wie mit PayPal. Aber er ist noch nicht sehr verbreitet.
Mal sehen, wie sich all das weiter entwickelt. Falls Du als Tourist nach Deutschland kommst, solltest Du auf jeden Fall am Automaten ein wenig Bargeld abheben. Es kann immer sein, dass Du irgendwo nicht mit Karte bezahlen kannst.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg323kurz.pdf - Gibt es bald wieder eine Wehrpflicht in Deutschland? Ich bin dieses Jahr 50 geworden. Als ich eine junge Erwachsene war, war es ganz normal, dass die Männer „zum Bund“ gingen oder Zivildienst leisteten. Das bedeutet, dass die jungen Männer meiner Generation für ungefähr ein Jahr einen Militärdienst leisten mussten. Sie waren in dieser Zeit Soldaten. Wer das nicht wollte, konnte verweigern. Diese jungen Männer haben dann das Jahr in sozialen Einrichtungen gearbeitet, zum Beispiel in Krankenhäusern.
Jahrzehntelang war das selbstverständlich: Junge Männer in Deutschland mussten zur Bundeswehr. Doch seit 2011 ist das anders. Und jetzt diskutiert das Land erneut darüber, wie es weitergeht.
Fangen wir wieder bei der Geschichte an. Die allgemeine Wehrpflicht trat in Deutschland am 21. Juli 1956 in Kraft. Also einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Von da an waren alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren wehrpflichtig. Über Jahrzehnte war die Bundeswehr eine der größten Armeen in Europa. Zu den Hochzeiten des Kalten Krieges hatte sie fast 500.000 Soldatinnen und Soldaten.
Dann änderte sich die Welt. Mit dem Ende des Kalten Krieges war die Verteidigung des eigenen Landes nicht mehr so wichtig. Wir fühlten uns sicher. Die Bundeswehr wurde kleiner. Der Verteidigungshaushalt wurde gekürzt, das heißt es wurde weniger Geld für das Militär ausgegeben. Die noch verbleibende Truppe konzentrierte sich mehr auf Auslandseinsätze. Für solche Einsätze brauchte man keine Wehrpflichtigen, sondern gut ausgebildete Spezialisten. 2011 wurde die Wehrpflicht schließlich unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesetzt. Sie wurde also nicht abgeschafft, sondern sozusagen pausiert. Das hatte vor allem finanzielle Gründe, denn eine Berufsarmee war günstiger zu organisieren.
Jetzt betone ich das Wort „ausgesetzt“ noch einmal: Die Wehrpflicht steht noch immer im Grundgesetz. Das bedeutet, sie kann theoretisch jederzeit wieder aktiviert werden.
Und genau das ist jetzt wieder ein großes Thema. Der Grund dafür liegt vor allem in der Sicherheitslage in Europa. Russland führt einen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist sehr nah. Deshalb will die Bundesregierung die Bundeswehr stärken. Bis 2035 soll es rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie weitere 200.000 Reservisten geben. Das Problem: Ende Oktober 2025 waren es erst rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten – also viel weniger.
Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung gehandelt. Der Bundestag stimmte am 5. Dezember 2025 für das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Am 1. Januar 2026 trat es in Kraft.
Aber was bedeutet dieses Gesetz genau? Ist das jetzt die Wehrpflicht? Nicht ganz. Der neue Wehrdienst beruht weiterhin auf Freiwilligkeit. Wer nicht zur Bundeswehr will, muss nicht hin. Dennoch gibt es eine wichtige Neuerung: Alle 18-Jährigen erhalten einen Brief mit QR-Code und werden gebeten, einen digitalen Fragebogen auszufüllen. Für Männer ist das Ausfüllen und Zurücksenden Pflicht – für Frauen freiwillig. Außerdem werden junge Männer ab dem Jahrgang 2008 verpflichtend gemustert, also medizinisch untersucht. Bei der Musterung wird überprüft, ob der Mann überhaupt körperlich in der Lage wäre, als Soldat zu dienen.
Wer sich freiwillig meldet, bekommt attraktive Angebote. Der Sold, das ist das Geld, das man als Soldat verdient, wurde deutlich angehoben, auf rund 2.600 Euro brutto im Monat. Wer mindestens zwölf Monate dient, bekommt außerdem einen Zuschuss von bis zu 3.500 Euro für den Auto-Führerschein oder bis zu 5.000 Euro für einen LKW-Führerschein.
Aber was, wenn sich trotzdem nicht genug Freiwillige finden? Das Gesetz sieht die Möglichkeit einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor. Darüber müsste der Bundestag per Gesetz entscheiden – einen Automatismus gibt es nicht. Sollte es mehr potenzielle Wehrpflichtige als freie Stellen geben, soll sogar ein Losverfahren angewendet werden. Das erinnert mich etwas an die USA und den Vietnamkrieg, oder?
Nicht alle sind mit dem neuen Modell zufrieden. Militärhistoriker und Bundeswehr-Experten bezweifeln, dass die Bundeswehr ihren Personalbedarf allein aus Freiwilligen decken kann. Die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 sei ein großer strategischer Fehler gewesen, sagen manche. Und vor allem gibt es Widerstand bei denjenigen, die es betrifft: Junge Männer und Jugendliche. Unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ gab es Kundgebungen in etwa 90 Städten. Der Protest richtete sich gegen die verpflichtende Musterung aller Männer und eine befürchtete Militarisierung der Gesellschaft. Schüler demonstrieren also weiterhin regelmäßig dagegen. Sie sagen: Alte Männer wie Bundeskanzler Friedrich Merz dürfen nicht beschließen, dass die jungen Männer in den Krieg ziehen müssen.
Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass viele Deutsche das Thema anders sehen als früher. Eine Bevölkerungsumfrage des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr ergab, dass 53 Prozent der Befragten die Wiedereinführung eines Wehrdienstes für notwendig halten – sechs Prozentpunkte mehr als im Jahr davor.
Die Debatte ist also noch lange nicht abgeschlossen. Das neue Gesetz ist ein Kompromiss: keine echte Wehrpflicht, aber auch kein reines Freiwilligensystem mehr. Ob das reicht, um die Bundeswehr stark genug zu machen, wird die nächste Zeit zeigen. Ich persönlich kann nicht verstehen, dass wir angesichts des Klimawandels weiterhin Kriege führen und Milliarden von Euro für Waffen ausgeben, anstatt uns gemeinsam um unseren Planeten zu kümmern. Und als Mutter eines Sohnes will ich natürlich nicht, dass mein Sohn zum Soldaten wird.
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg322kurz.pdf - Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? Es ist die große Frage: Sollten Kinder und Jugendliche überhaupt Social Media nutzen dürfen? Diese Diskussion ist nicht neu – ich frage mich das immer wieder. Aber sie ist in den letzten Monaten sehr aktuell geworden. Besonders weil Australien als erstes Land der Welt gehandelt hat.
Doch beginnen wir von vorne. In Deutschland nutzen Kinder und Jugendliche Social Media im Durchschnitt mehr als drei Stunden pro Tag. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat sind ein fester Teil ihres Alltags. Viele fangen schon sehr früh damit an – oft weit vor dem 13. Lebensjahr, das die Plattformen selbst als Mindestalter angeben.
Gleichzeitig wächst die Sorge um die psychische Gesundheit junger Menschen. Studien zeigen, dass intensive Social-Media-Nutzung mit erhöhten Depressions- und Angstsymptomen, Schlafstörungen, Einsamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten zusammenhängt. In Deutschland nutzen rund eine Million der Kinder und Jugendlichen auf problematische Weise Social Media. 300.000 erfüllen sogar die Kriterien einer echten Social-Media-Sucht.
Wichtig zu sagen: Viele dieser Studien zeigen nur einen Zusammenhang, keine eindeutige Ursache. Das heißt, man weiß nicht sicher, ob Social Media die Probleme verursacht – oder ob Jugendliche mit Problemen einfach mehr Social Media nutzen. Trotzdem nehmen Politiker und Wissenschaftler das Thema ernst.
Den stärksten Impuls für die Debatte in Deutschland gab Australien. Das australische Parlament beschloss Ende 2024 als erstes Land der Welt eine Altersbeschränkung für Social Media. Am 10. Dezember 2025 trat das Gesetz in Kraft: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen seitdem keine eigenen Accounts mehr auf großen Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch besitzen. 4,7 Millionen Accounts wurden deaktiviert. Die Plattformen müssen das Alter der Nutzer überprüfen. Strafen drohen dabei ausschließlich den Plattformbetreibern, nicht den Jugendlichen oder ihren Eltern.
Was passiert, wenn ein Unternehmen die Regeln nicht einhält? Die australische Regierung hat die Höchststrafe inzwischen auf 99 Millionen australische Dollar – das sind etwa 60 Millionen Euro – verdoppelt.
Aber funktioniert das Verbot wirklich? Gerade diese Woche wurden die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlicht – und sie sind ernüchternd. Forscher der Universität Newcastle befragten mehr als 400 australische Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren kurz vor und etwa drei Monate nach dem Start des Verbots. Das Ergebnis: Mehr als 85 Prozent der betroffenen Jugendlichen nutzten weiterhin die verbotenen Plattformen. Die meisten über eigene Accounts, die sie einfach behalten haben. Viele Jugendliche umgehen die Alterskontrollen aktiv, und die vorhandenen Überprüfungen der Plattformen sind oft unzureichend. Häufig reicht eine einfache Selbstauskunft zum Alter oder das Hochladen eines Selfies.
Dennoch wollen auch andere Länder Social Media für Jugendliche verbieten. Großbritannien zum Beispiel. Die britische Regierung hatte Eltern und Kinder befragt und 116.000 Antworten bekommen. Das Ergebnis: die große Mehrheit wollte ein Verbot. Anfang 2027 soll es in Kraft treten.
Was macht Deutschland aus diesen Erfahrungen? Die Bundesregierung hat im September 2025 eine Expertenkommission zum Thema „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ eingerichtet. Diese Kommission hat Ende Juni 2026 ihre Empfehlungen vorgestellt. Das Gremium riet von einem strengen, pauschalen Social-Media-Verbot ab. Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU spricht sich grundsätzlich für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren aus – verbunden mit einer wirksamen Altersüberprüfung und abgestuften Schutzmaßnahmen für Jugendliche bis 18 Jahre.
Andere Experten setzen auf einen anderen Ansatz. Sie empfehlen, dass Plattformen die Accounts von Minderjährigen mit bestimmten sicheren Grundeinstellungen versehen müssen – zum Beispiel keine algorithmisch gesteuerten Feeds, keine personalisierte Werbung und kein Endlos-Scrollen. Die Idee dahinter: Der Schutz soll nicht davon abhängen, wie medienkompetent einzelne Kinder oder Eltern sind, sondern direkt in der Gestaltung der Plattformen stecken.
Auch in anderen Ländern wird das Thema diskutiert. In Dänemark soll das Mindestalter bei 15 Jahren liegen. In Spanien, Norwegen, Griechenland und den Niederlanden läuft ebenfalls eine Debatte.
Die Frage, wie Kinder und Jugendliche online besser geschützt werden können, beschäftigt also viele Länder gleichzeitig. Und die ersten Erfahrungen aus Australien zeigen: Ein gesetzliches Verbot allein reicht offenbar nicht aus. Ich selber bin der Meinung, dass wir viel mehr mit den Kindern und Jugendlichen über Social Media reden müssen. Sie müssen wissen, welche Gefahren es gibt und wie sie damit umgehen können. Und: Wir Erwachsenen müssen Vorbilder sein und unser Verhalten selber kritisch hinterfragen. Denn sind wir mal ehrlich: Sind nicht viele von uns viel zu oft auf Social Media? Was denkst du zu diesem Thema? Schreib gerne in die Kommentare!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg321kurz.pdf
More Education podcasts
Trending Education podcasts
About Slow German
In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.
Podcast websiteListen to Slow German, Becoming UnDone® with Dr. Toby Brooks and many other podcasts from around the world with the radio.net app

Get the free radio.net app
- Stations and podcasts to bookmark
- Stream via Wi-Fi or Bluetooth
- Supports Carplay & Android Auto
- Many other app features
Get the free radio.net app
- Stations and podcasts to bookmark
- Stream via Wi-Fi or Bluetooth
- Supports Carplay & Android Auto
- Many other app features


Slow German
Scan code,
download the app,
start listening.
download the app,
start listening.
Slow German: Podcasts in Family






































