Slow German

Annik Rubens
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    Der Eurovision Song Contest ESC – SG 319

    03/17/2026 | 11 mins.
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    Zur Folge:

    Kennst du den ESC? Das ist die Abkürzung für Eurovision Song Contest. Der ESC ist ein internationaler Musikwettbewerb. Jedes Jahr schauen mehr als 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Show im Fernsehen oder im Internet. Länder aus Europa und auch aus anderen Teilen der Welt nehmen teil, zum Beispiel Australien. Organisiert wird der Wettbewerb von der Europäischen Rundfunkunion, einem Zusammenschluss von öffentlich-rechtlichen Sendern. In diesem Jahr feiert der ESC seinen 70. Geburtstag.

    In der vergangenen Woche fand der deutsche Vorentscheid statt. Das bedeutet, dass in einer großen Show am Samstagabend neun Lieder vorgestellt wurden. Danach entschied sich die Jury für drei davon. Und am Ende durften wir alle per Telefon abstimmen, welcher Song in diesem Jahr für Deutschland antritt. Der ESC findet diesmal am 16. Mai in Wien statt. Ich mache an diesem Abend wie immer eine kleine Party bei uns zu Hause. Wir schmücken das Wohnzimmer, schalten den Fernseher ein und alle Freundinnen und Freunde bringen Essen aus dem Land mit, das der Gastgeber ist. Dieses Jahr ist es Ɩsterreich, das wird also ziemlich einfach mit Schnitzel, Kaiserschmarrn und MĆ©lange. Was das ist, musst Du unbedingt im Internet nachschauen.

    Kommen wir wie immer zur Geschichte. Der erste Eurovision Song Contest fand im Jahr 1956 statt. Damals trafen sich sieben LƤnder in der Schweizer Stadt Lugano. Jedes Land schickte zwei Lieder ins Rennen. Gewonnen hat vor 70 Jahren die Schweiz. Die Idee hinter dem Wettbewerb war, Europa nach dem Zweiten Weltkrieg kulturell nƤher zusammenzubringen. Musik sollte helfen, Grenzen zu überwinden und ein Gefühl von Gemeinschaft zu schaffen. Auch heute ist das Motto „United by Music“.

    Schon ein Jahr spƤter, 1957, war Deutschland Gastgeber. Der Wettbewerb fand in Frankfurt am Main statt. Deutschland gehƶrt zu den wenigen LƤndern, die fast jedes Jahr teilgenommen haben. Nur 1996 war Deutschland nicht im Finale, weil das Lied in einer internen Vorauswahl nicht genug Punkte bekam. Seit dem Jahr 2000 gehƶrt Deutschland zu den sogenannten ā€žBig Fiveā€œ. Das sind die fünf LƤnder, die am meisten Geld zum Wettbewerb beitragen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Diese LƤnder sind automatisch für das Finale qualifiziert.

    Am Anfang war der Wettbewerb noch klein und ruhig. Die Sängerinnen und Sänger standen meist einfach auf der Bühne und sangen ihre Lieder. Ich habe jetzt einige Ausschnitte gesehen, das war wirklich gar kein Vergleich mit heute! Mit der Zeit wurde die Show immer größer. Heute gibt es aufwändige Bühnenbilder, Lichtshows und wilde Tänzerinnen und Tänzer. Seit 2004 gibt es Halbfinale-Shows, weil so viele Länder teilnehmen. Nur ein Teil der Länder kommt dann ins große Finale am Samstagabend.

    Ein wichtiges Element des Wettbewerbs ist das Punktesystem. Seit 1975 vergibt jedes Land Punkte von 1 bis 8, dann 10 und 12 Punkte. Die 12 Punkte sind die höchste Wertung. Früher entschied nur eine Jury. Heute gibt es meistens eine Kombination aus Jury und Publikumsvoting. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können per Telefon, SMS oder App abstimmen. Ich erinnere mich noch, dass ich dabei als Kind immer eingeschlafen bin.

    Deutschland hat den Wettbewerb bisher zweimal gewonnen. 1982 siegte Nicole mit dem Lied ā€žEin bisschen Friedenā€œ. Dieses Lied war eine ruhige Ballade und passte gut in die politische Zeit des Kalten Krieges. Der Sieg war für viele Menschen in Deutschland sehr emotional. 1983 fand der Wettbewerb deshalb in München statt. Der zweite Sieg kam 2010. Die damals 19-jƤhrige Lena gewann mit dem Lied ā€žSatelliteā€œ. Der Wettbewerb wurde 2011 in Düsseldorf ausgetragen. Auch dieser Sieg war für Deutschland etwas Besonderes, weil er nach vielen weniger erfolgreichen Jahren kam.

    In den vergangenen Jahren hat Deutschland oft schlecht abgeschnitten. Mehrmals landete das Land auf einem der letzten Plätze. Trotzdem bleibt das Interesse am ESC groß. Viele Fans diskutieren jedes Jahr über die Lieder, die Punkte und die Auftritte. In sozialen Medien ist der Wettbewerb ein großes Thema. Geht es hier wirklich um die Qualität der Musik oder auch um die Beliebtheit des Landes? Das ist die große Frage. Und oft bekommen die Länder auch von ihren Nachbarländern viele Punkte.

    In Deutschland war bis jetzt der Norddeutsche Rundfunk, kurz NDR, für die Organisation zuständig. Dieses Jahr zum ersten Mal der SWR. Der jeweilige Sender wählt aus, wie der deutsche Beitrag bestimmt wird. Meistens gibt es einen sogenannten Vorentscheid. Das ist eine Fernsehshow, in der mehrere Künstlerinnen und Künstler gegeneinander antreten. Das Publikum und manchmal auch eine Jury entscheiden dann, wer Deutschland beim ESC vertreten darf. Wie schon gesagt war es diesmal eine Mischung aus Jury und Publikum.

    Gewonnen hat diesen Vorentscheid Sarah Engels mit dem Song „Fire“. Sarah Engels kennen viele Menschen in Deutschland schon. Sie war Teilnehmerin bei „Deutschland sucht den Superstar“, einer Castingshow. SpƤter war sie in vielen weiteren Ƥhnlichen Shows zu Gast. Das Lied ist ein Ohrwurm, aber es ist nicht originell. Und mich persƶnlich langweilen diese immer gleichen Lieder, bei denen Frauen halbnackt und betont sexy tanzen. Wenn du dir selber ein Bild machen mƶchtest: Ich verlinke auf slowgerman.com alle Teilnehmer des Vorentscheides. Hier kannst du sie auch im Video sehen.

    https://www.youtube.com/watch?v=LN-ulL2t2IQ

    Der deutsche Vorentscheid hat sich im Laufe der Jahre verändert. Manchmal wurden bekannte Stars eingeladen, manchmal eher neue Talente. Es gab Jahre mit großen Shows und Jahre mit kleineren Formaten. Oft wird in Deutschland diskutiert, welche Art von Lied die besten Chancen hat: ein Popsong, eine Ballade oder vielleicht etwas ganz Ungewöhnliches. Manche Fans wünschen sich mehr Mut und mehr Musik auf Deutsch. Andere glauben, dass englische Texte international besser funktionieren. Als Moderatorin haben wir seit vielen Jahren Barbara Schöneberger. Den richtigen ESC-Abend moderiert dann aber aus dem Off, also nur als Stimme, Torsten Schorn. Über 20 Jahre war das der Job von Peter Urban, einer Radiolegende.

    Für Deutschlernende ist der ESC auch sprachlich interessant, wenn Deutschland, Ɩsterreich oder die Schweiz ein Lied auf Deutsch schicken. Dieses Jahr schickt Deutschland Sarah Engels mit dem englischen „Fire“. Die Schweiz schickt Veronica Fusaro. Und Ɩsterreich schickt den 19-jƤhrigen SƤnger Cosmó mit dem deutschsprachigen Song „Tanzschein“, ich verlinke das Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=IPvJbGy5_o0&list=RDIPvJbGy5_o0&t=2s

    Für wen drückst Du am 16. Mai die Daumen?

    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg319kurz.pdf

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    Südtirol – SG 318

    03/03/2026 | 9 mins.
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    Zur Folge:

    Ich suche gerade nach einem guten Ort für unseren nächsten Urlaub. Und da dachte ich an Südtirol. Also eine gute Gelegenheit, um mal über diese Region eine Podcastepisode zu machen, oder?

    Südtirol liegt im Norden von Italien. Es ist eine Region in den Alpen und grenzt an Ɩsterreich und die Schweiz. Die Landschaft dort ist sehr schƶn. Ich war schon mehrere Male dort. Es gibt hohe Berge, grüne TƤler, Flüsse und Seen. Die bekanntesten Berge sind die Dolomiten. Sie gehƶren zum UNESCO-Welterbe. Viele Menschen kommen nach Südtirol, um Urlaub zu machen. Sie wandern, fahren Ski oder klettern in den Bergen. Es gibt hier auch richtig schƶne Hotels, die Wellness anbieten und gutes Essen. Südtirol ist also ein wichtiges Ziel für Touristen, aber es ist auch ein Ort mit einer langen und interessanten Geschichte.

    Die Geschichte von Südtirol ist sehr besonders. Früher gehƶrte die Region nicht zu Italien, sondern zu Ɩsterreich. Das kann man sich ja am Namen schon denken, denn Tirol ist eine Region in Ɩsterreich. Südtirol war Teil des sogenannten Habsburgerreiches. Die Habsburger waren eine mƤchtige adelige Herrscherfamilie, die über viele Jahrhunderte unter anderem Ɩsterreich und das Heilige Rƶmische Reich regierte. Die Menschen in Südtirol jedenfalls sprachen Deutsch. Erst nach dem Ersten Weltkrieg Ƥnderte sich das. 1919 wurde Südtirol durch den Vertrag von Saint-Germain Italien zugesprochen. Das war für viele Menschen in Südtirol eine große VerƤnderung. Sie mussten jetzt zu einem neuen Staat gehƶren, zu Italien. Die meisten Menschen sprachen weiter Deutsch, aber die Regierung in Rom wollte, dass Italienisch die Hauptsprache wird.

    In den 1920er- und 1930er-Jahren führte die italienische Regierung unter Benito Mussolini eine Politik der ā€žItalianisierungā€œ ein. Das bedeutet, dass alles Italienisch werden sollte: die Schulen, die Ƅmter und sogar die Straßenschilder. Deutsch war nicht mehr offiziell erlaubt. Viele Menschen fühlten sich dadurch fremd im eigenen Land. Es gab eine schwere Zeit für die deutschsprachige Bevƶlkerung in Südtirol. Viele Familien mussten italienische Namen annehmen, und die Kinder mussten Italienisch lernen.

    Während des Zweiten Weltkriegs gab es eine besondere Vereinbarung zwischen Italien und Deutschland. Die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol konnte entscheiden, ob sie nach Deutschland ziehen wollte oder in der Heimat bleiben wollte. Viele blieben, weil ihre Familien seit Generationen in Südtirol lebten. Nach dem Krieg, 1946, begann Italien mit der neuen Verfassung. Südtirol bekam einen besonderen Status als autonome Provinz. Das heißt, die Region konnte vieles wieder selbst entscheiden, zum Beispiel die Schule, die Sprache und die Kultur.

    Heute hat Südtirol drei offizielle Sprachen: Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Ladinisch ist eine sehr alte Sprache, die nur noch von wenigen Menschen gesprochen wird. Sie existiert vor allem in den Dolomitentälern. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Deutsch. Viele Menschen sprechen auch Italienisch. In den Schulen lernen Kinder beide Sprachen. In der Verwaltung gibt es ebenfalls beide Sprachen. Das sorgt dafür, dass die Kultur der Region geschützt wird.

    Die Hauptstadt von Südtirol ist Bozen. Auf Italienisch heißt sie Bolzano. Bozen ist ein wichtiger Ort für Wirtschaft und Kultur. Dort gibt es Museen, Theater und eine UniversitƤt. Eine berühmte Attraktion in Bozen ist der Ɩtzi, die Gletschermumie. Ɩtzi lebte vor über 5.000 Jahren in den Alpen. Er wurde 1991 in den Ɩtztaler Alpen gefunden, nahe der Grenze zwischen Italien und Ɩsterreich. Heute kann man ihn im Südtiroler ArchƤologiemuseum in Bozen sehen.

    Die Wirtschaft in Südtirol ist vielfƤltig. Die Region ist bekannt für Obst, besonders Ƅpfel. Südtirol produziert die meisten Ƅpfel Italiens. Außerdem gibt es Weinbau. Die Weine aus Südtirol sind in Italien und im Ausland beliebt. Der Tourismus spielt ebenfalls eine große Rolle. Viele Hotels, Pensionen und Skigebiete arbeiten für GƤste aus aller Welt. Trotz des Tourismus versuchen die Menschen, die Natur zu schützen. In Südtirol gibt es mehrere Naturschutzgebiete und Nationalparks, zum Beispiel den Nationalpark Stilfserjoch. Was ich an den Hotels dort mag ist, dass sie ihre Heimatregion feiern. Ich war in einem Hotel, da waren fast alle Materialien aus der Region. Zum Beispiel ein bestimmtes Holz, das dort wƤchst. Auf dem Stuhl lagen Filzkissen, auch in der Region hergestellt. So etwas gefƤllt mir sehr.

    Die Kultur von Südtirol ist gerade durch die Geschichte des Landes interessant, weil sie eben deutsch und italienisch geprägt ist. In vielen Städten und Dörfern gibt es traditionelle Feste. Oft werden alte Bräuche gepflegt, zum Beispiel das Almabtrieb-Fest im Herbst. Dann bringen die Bauern ihre Kühe von den Bergen ins Tal. Die Kühe werden geschmückt, und es gibt Musik und Essen. Auch die Architektur zeigt die Mischung der Kulturen. Es gibt alte Bauernhäuser aus Holz, aber auch italienische Villen und moderne Gebäude. Die Menschen hier haben ihre eigene Identität bewahrt, obwohl sich die politischen Grenzen mehrmals geändert haben.

    Es gibt übrigens kleine Gruppen, die Südtirol wieder als Teil von Ɩsterreich sehen wollen – sie bekommen aber nur wenige Stimmen bei Wahlen, soweit ich das verfolgt habe. So, und jetzt muss ich meinen Urlaub planen. Bis zum nƤchsten Mal!

    Übrigens: Schau gerne mal auf slowgerman.com, ich produziere jede Woche neue Inhalte, zum Beispiel kurze Dialoge, Audios über Redewendungen, Hörverständnisübungen und Quizze. Gibt es alles im Premium-Bereich, Du kannst es kostenlos testen!

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    Die Münchner Sicherheitskonferenz – SG 317

    02/13/2026 | 8 mins.
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    Zur Folge:

    Du weißt, dass ich in München lebe. Und heute beginnt hier in München die Sicherheitskonferenz. Wir Münchner merken das zum Beispiel dadurch, dass sehr viel Polizei in der Altstadt unterwegs ist. Dass Autobahnen gesperrt werden. Dass man nicht mehr durch den Bereich gehen darf, der um das Hotel „Bayerischer Hof“ liegt. Denn dort findet die Konferenz statt. Und es wird viele Demonstrationen geben, gegen die Sicherheitskonferenz, aber auch zum Beispiel für die Menschenrechte im Iran. Das sind doch genug Gründe, um heute mal über diese Konferenz zu sprechen, oder?

    Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein jährliches Treffen, bei dem Politikerinnen und Politiker, Militärs und Expertinnen und Experten aus vielen Ländern zusammenkommen. Sie ist sozusagen ein zentrales Forum für internationale Diskussionen über Sicherheit und Frieden. Man spricht dort über Kriege, Bedrohungen durch neue Technologien oder geopolitische Spannungen zwischen Staaten. Es ist aber kein offizielles Staatstreffen, sondern eine privat organisierte Veranstaltung.

    Die Geschichte dieser Sicherheitskonferenz beginnt schon im Jahr 1963. Damals nannte man sie ā€žInternationale Wehrkunde-Begegnungā€œ. Die Idee dazu hatte Ewald-Heinrich von Kleist, ein Offizier und WiderstandskƤmpfer gegen das NS-Regime. Sein Ziel war es, dass sich LƤnder über Sicherheit austauschen und gemeinsam Probleme lƶsen. Beim ersten Treffen waren nur wenige Teilnehmer dabei, aber wichtige Persƶnlichkeiten wie der spƤtere Bundeskanzler Helmut Schmidt und der US-Politiker Henry Kissinger gehƶrten dazu. Das Treffen war bewusst in München, weil der Gründer einen neutralen Ort suchte, an dem offene GesprƤche mƶglich sind.

    Im Laufe der Jahre hat sich die Konferenz stark verändert. In den ersten Jahren, vor allem während des Kalten Krieges, war sie relativ klein und diskret. Die meisten Gäste kamen aus Europa und den USA. Nach dem Ende des Kalten Krieges wuchs die Konferenz deutlich. Politiker und Staatschefs aus vielen Regionen der Welt nahmen teil, etwa aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Heute gilt die Münchner Sicherheitskonferenz als eines der wichtigsten Foren der Welt, wenn es um Fragen der internationalen Sicherheit geht.

    Ein besonderes Merkmal der Konferenz ist, dass sie keine offiziellen Beschlüsse oder Verträge verabschiedet. Stattdessen sollen Vertreterinnen und Vertreter von Staaten in ehrlichen Gesprächen unterschiedliche Standpunkte kennen- und verstehen lernen. Viele Treffen und Gespräche finden auch im kleinen Kreis und informell statt. Diese Gespräche abseits der großen Podien sind oft genauso wichtig wie die offiziellen Diskussionen.

    Die 62. Münchner Sicherheitskonferenz findet vom 13. bis 15. Februar 2026 statt. Sie wird erneut im Hotel Bayerischer Hof in München organisiert, wie es in den vergangenen Jahrzehnten Tradition ist. 1000 Gäste werden erwartet, aus 120 Staaten. Darunter mehr als 60 Staats- und Regierungschefs, fast 100 Außen- und Verteidigungsminister sowie viele weitere hochrangige Politikerinnen und Politiker.

    Und damit die alle sicher sind bei der Sicherheitskonferenz, sind 5000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Normalerweise kommen die nicht nur aus Bayern, sondern auch aus den anderen Bundesländern. Da gibt es aber diesmal ein Problem, denn es ist Fasching und Karneval. Andere Bundesländer haben also genug damit zu tun, diese Veranstaltungen zu schützen. Daher kommt diesmal sogar Verstärkung aus den Nachbarländern.

    Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet die Sicherheitskonferenz offiziell. Am Samstag soll der US-Außenminister Marco Rubio sprechen. Wer kommt noch? Zum Beispiel der Sohn des 1979 im Iran gestürzten Schahs, Reza Pahlavi. Vertreter des iranischen Regimes sind nicht eingeladen. Und auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird erwartet. Neben diesen großen Reden ist aber vor allem wichtig, was die vielen Gäste abseits der Kameras und Mikrofone besprechen.

    Interessant fand ich übrigens ein Zitat des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Er sagte, man will in diesem Jahr das „kaputte Fahrrad“ der Beziehungen zwischen Europa und den USA reparieren. Ich bin sehr gespannt, ob das funktioniert.

    In den vergangenen Jahren war die rechtsextreme und rechtspopulistische Partei AfD nicht zur Sicherheitskonferenz eingeladen worden. Letztes Jahr traf sich daraufhin die AfD-Politikerin Alice Weidel demonstrativ in München mit JD Vance. Dieses Jahr sind Mitglieder der AfD offiziell eingeladen.

    Wir werden in den nächsten Tagen viel über diese Konferenz hören. Und wir hier in München werden froh sein, wenn die SiKo dann wieder vorbei ist.

    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg317kurz.pdf

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    Hexen in Deutschland – SG 316

    02/03/2026 | 12 mins.
    Letztens habe ich die Netflix-Serie Wednesday gesehen. Und in einer Episode ging es um Hexen und um Hexerei. Ich habe mich dann an mein Studium der Amerikanischen Kulturgeschichte erinnert. An die Hexenprozesse von Salem, die Salem Witch Trials. Es ist ein Kapitel der Geschichte, das man heute kaum glauben mag, oder? Also habe ich mal nachgeschaut, wie das eigentlich in Deutschland mit den Hexen war.

    Wenn wir heute an Hexen denken, sehen wir oft Märchenfiguren mit spitzen Hüten und Besen. Kinder verkleiden sich an Halloween oder Fasching gerne als Hexen. Und bei Zauberern denken wir an Harry Potter. Also alles positiv, oder? Doch in der Vergangenheit war das Thema sehr ernst und oft sehr grausam. Besonders zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert hatten viele Menschen in Deutschland große Angst vor Hexen.

    Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit glaubten viele Menschen an Magie, Dämonen und den Teufel. Krankheiten, schlechte Ernten oder Naturkatastrophen konnte man sich oft nicht erklären. Deshalb suchte man nach Schuldigen. Hexen galten als Menschen, die mit dem Teufel zusammenarbeiteten und anderen Schaden zufügten. Dieser Glaube war in vielen Teilen Europas verbreitet, aber im Gebiet des heutigen Deutschlands gab es besonders viele Hexenverfolgungen.

    Die Vorstellung davon, wer eine Hexe war, entstand nicht aus echten Beweisen, sondern aus Angst, Glauben und Vorurteilen. Es gab keine klare oder sichere Methode, um eine Hexe zu erkennen. Trotzdem glaubten viele Menschen, dass man bestimmte Zeichen sehen kƶnne.

    Oft begann alles mit einem Unglück. Wenn eine Kuh starb, ein Kind krank wurde oder die Ernte schlecht war, suchte man einen Schuldigen. Häufig fiel der Verdacht auf Menschen, die anders waren oder am Rand der Gesellschaft lebten. Das konnten arme Menschen sein, Bettlerinnen, alte Frauen oder Personen, die Streit mit Nachbarn hatten. Auch wer als unfreundlich oder schwierig galt, konnte schnell verdächtigt werden.

    Ein weiteres wichtiges Element waren Gerüchte. Wenn jemand sagte: ā€žDiese Frau hat mich verfluchtā€œ, konnte das ausreichen, um eine Untersuchung zu starten. Gerüchte verbreiteten sich schnell, besonders in kleinen Dƶrfern. Angst und Misstrauen verstƤrkten sich gegenseitig. Manchmal beschuldigten Menschen andere auch aus Rache oder Neid.

    Richter und Geistliche glaubten an bestimmte Zeichen von Hexerei. Man suchte zum Beispiel nach dem sogenannten Hexenmal. Das sollte eine Stelle auf der Haut sein, die angeblich vom Teufel stammte. Muttermale, Narben oder Warzen galten als verdächtig. Man stach mit Nadeln hinein. Wenn die Person keinen Schmerz zeigte oder nicht blutete, galt das als Beweis, dass sie eine Hexe ist, obwohl das medizinisch natürlich gar keinen Sinn hatte.

    Auch das Verhalten spielte eine Rolle. Wer sich nicht richtig verteidigen konnte, sehr Ƥngstlich war oder sich aus NervositƤt widersprach, wurde schnell verdƤchtigt. Unter Folter gestanden viele Menschen, eine Hexe zu sein. Sie nannten dann oft weitere Namen, weil man ihnen versprach, die Schmerzen zu beenden. So entstanden lange Ketten von neuen Anschuldigungen.

    Träume, Visionen oder Aussagen von Kindern wurden ebenfalls ernst genommen. Kinder sagten manchmal, sie hätten gesehen, wie jemand nachts flog oder sich in ein Tier verwandelte. Solche Aussagen galten damals als glaubwürdig. Heute wissen wir, dass Kinder leicht beeinflusst werden können und eine lebendige Fantasie haben.

    Zusammengefasst kann man sagen: Man kam nicht durch Wissen oder Beweise darauf, wer eine Hexe war. Es waren Zufall, Angst, soziale Konflikte und falsche Vorstellungen. Fast jeder konnte beschuldigt werden, wenn die UmstƤnde schlecht waren. Und so kam es dann zu den sogenannten Hexenprozessen.

    Die meisten Hexenprozesse fanden zwischen etwa 1550 und 1650 statt. Historiker schƤtzen, dass in Europa rund 40.000 bis 60.000 Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden. Ein großer Teil davon lebte im Heiligen Rƶmischen Reich Deutscher Nation, also in Gebieten des heutigen Deutschlands, Ɩsterreichs und der Schweiz. Deutschland war damals kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen kleinen Fürstentümern, StƤdten und kirchlichen Gebieten. Jedes Gebiet hatte eigene Gesetze und Gerichte. Das machte Hexenprozesse leichter, weil es keine zentrale Kontrolle gab.

    Die Angeklagten waren meistens Frauen. Etwa drei Viertel der Opfer waren weiblich. Oft waren es ältere Frauen, arme Frauen oder Frauen, die allein lebten. Aber auch Männer und sogar Kinder wurden beschuldigt. Die Vorwürfe reichten von Schadenzauber über das Vergiften von Brunnen bis hin zu Treffen mit dem Teufel. Viele Geständnisse kamen durch Folter zustande. Die Menschen sagten dann alles, was die Richter hören wollten, nur um die Schmerzen zu beenden.

    Eine wichtige Rolle spielte das Buch ā€žDer Hexenhammerā€œ, auf Latein ā€žMalleus Maleficarumā€œ. Es erschien 1487 und wurde von zwei Dominikanermƶnchen geschrieben. Das Buch erklƤrte, wie man Hexen erkennt, verhƶrt und bestraft. Es war kein Gesetz, hatte aber großen Einfluss auf Richter und Geistliche. Besonders betont wurde darin, dass Frauen angeblich leichter vom Teufel verführt werden. Diese Idee verstƤrkte die Verfolgung von Frauen.

    Bekannte Orte der Hexenverfolgung in Deutschland sind zum Beispiel Bamberg und Würzburg. In Bamberg wurden zwischen 1626 und 1631 etwa 1.000 Menschen hingerichtet. Dort ließ der Fürstbischof sogar ein eigenes Gefängnis für angebliche Hexen bauen. Auch in Würzburg starben mehrere Hundert Menschen. Unter den Opfern waren angesehene Bürger, Geistliche und Kinder. Das zeigt, dass niemand wirklich sicher war, wenn die Verfolgung einmal begonnen hatte.

    Mit der Zeit wuchs jedoch auch Kritik an den Hexenprozessen. Einige Gelehrte und Juristen zweifelten an den Beweisen und an der Anwendung von Folter. Einer der bekanntesten Kritiker war der Jesuit Friedrich Spee. Er hatte als Beichtvater mit Angeklagten zu tun und erkannte, wie ungerecht die Verfahren waren. 1631 verƶffentlichte er ein Buch, in dem er die Hexenprozesse scharf kritisierte. Seine Argumente trugen dazu bei, dass die Verfolgungen langsam weniger wurden.

    Im 18. Jahrhundert endeten die Hexenprozesse in Deutschland. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Hexerei fand 1775 in Kempten im AllgƤu statt. Die AufklƤrung spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Menschen begannen, mehr an Wissenschaft und Vernunft zu glauben. Gerichte verlangten bessere Beweise, und Folter wurde nach und nach verboten.

    Heute erinnern Museen, Gedenktafeln und Ausstellungen an die Opfer der Hexenverfolgung. In vielen Städten wird über diese Geschichte offen gesprochen. Ich habe natürlich gleich nachgesehen, wie es in München ist. Auch hier gab es eine regelrechte Hexenjagd. Allein in München wurden an der Stelle des heutigen Busbahnhofs an der Hackerbrücke an die 200 Frauen und Mädchen bei lebendigem Leibe verbrannt. Alles im Namen Gottes.

    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg316kurz.pdf
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    Flucht aus der DDR – SG 315

    01/20/2026 | 9 mins.
    Heute habe ich wieder ein Thema aus der deutschen Geschichte mitgebracht, wobei das noch gar nicht so lange her ist. Ich möchte über die Flucht aus der DDR sprechen.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland wie du wahrscheinlich weißt in vier Besatzungszonen geteilt. Die Gewinner USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien teilten sich das Land auf. Aus diesen Zonen entstanden später zwei Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Das war eine große Umstellung für die Menschen, das können wir uns alle vorstellen. Viele Menschen verließen in den ersten Jahren die DDR und gingen in den Westen. Zwischen 1949 und 1989 sollen das insgesamt rund 3,8 Millionen Menschen gewesen sein. Um das zu stoppen, baute die DDR im Jahr 1961 die Berliner Mauer. Sie trennte Ost- und West-Berlin und wurde im Laufe der Zeit immer stärker gesichert.

    Warum wollten die Menschen fliehen? Vor allem, weil sie Freiheit wollten. Die DDR war ein diktatorisches Regime. Man wollte den realen Sozialismus aufbauen, an sich eine gute Idee und das hat auch in Teilen funktioniert. Aber eben nur in Teilen. Die Menschen durften den Staat oder die Regierung nicht offen kritisieren, es gab also keine Meinungsfreiheit. Die Staatssicherheit, kurz Stasi, bespitzelte Menschen. Das bedeutet, dass sie sie ausspionierte. Also heimlich überwachte. Man fühlte sich also ständig überwacht und beobachtet. Es gab auch keine Reisefreiheit. Oft entschied der Staat auch über die Berufswahl der Menschen, man durfte also nicht immer den Weg gehen, den man eigentlich gehen wollte.

    Viele reisten dennoch legal aus, unter bestimmten UmstƤnden war das mƶglich. Der Rest war sozusagen eingesperrt. Wer raus wollte, musste fliehen.

    So, wie können wir uns die Teilung Deutschlands, also vor allem die Mauer, vorstellen? Ich war leider nie vor der Wiedervereinigung in Berlin. Ich war 13, als die Mauer fiel. Aber natürlich kenne ich die Teile der Mauer, die heute noch stehen und ein Denkmal sind. Die Mauer bestand allerdings nicht nur aus Beton. Es gab Zäune, Gräben, Wachtürme, Scheinwerfer und bewaffnete Grenzsoldaten. Auch an der ganzen innerdeutschen Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik gab es ähnliche Anlagen. Fluchtversuche waren lebensgefährlich. Viele Menschen wurden entdeckt, verhaftet oder sogar erschossen. Trotzdem versuchten immer wieder Menschen zu fliehen, auf ganz unterschiedliche Weise. Etwa 140.000 bis 150.000 Menschen schafften es in dieser Zeit zu fliehen.

    Einige Menschen versuchten ihre Flucht über die Luft. Diese Versuche nennt man heute ā€žMauerflügeā€œ. Sie waren besonders riskant, weil der Luftraum streng kontrolliert war. Die DDR überwachte den Himmel mit Radar und hatte eine Flugabwehr. Normale Bürger durften keine Flugzeuge besitzen oder frei fliegen. Trotzdem fanden einige Menschen kreative Lƶsungen.

    Ein sehr bekannter Mauerflug fand zum Beispiel im Jahr 1979 statt. Zwei Familien aus Thüringen bauten in ihrer Freizeit einen großen Heißluftballon. Sie nƤhten dafür Stoffbahnen zusammen und konstruierten einen Brenner. In einer Nacht starteten sie dann mit acht Personen an Bord. Der Ballon stieg hoch genug, um die Grenze zu überqueren, und landete schließlich in Bayern, also in Westdeutschland. Diese Flucht wurde spƤter weltweit bekannt. Sie zeigte, dass auch einfache Materialien und viel Planung zu einer erfolgreichen Flucht führen konnten. Aber was für einen Mut diese Menschen haben mussten! Es gibt übrigens auch einen Spielfilm zu diesem Thema, er heißt „Ballon“ und ist von 2018.

    Neben Heißluftballons gab es auch andere Fluggeräte, die zur Flucht verwendet wurden. Manche Menschen nutzten kleine Motorflugzeuge oder Ultraleichtflugzeuge. In einzelnen Fällen starteten sie von improvisierten Plätzen in der DDR und flogen sehr niedrig, um nicht vom Radar entdeckt zu werden. Das war extrem gefährlich, denn ein technischer Fehler oder schlechtes Wetter konnte tödlich sein. Außerdem drohten bei Entdeckung lange Haftstrafen.

    Insgesamt waren aber Mauerflüge natürlich sehr selten im Vergleich zu anderen Fluchtarten. Die Menschen sind eher durch Tunnel geflohen oder mit gefälschten Papieren. Aber die Mauerflüge bekamen viel Aufmerksamkeit, weil sie so spektakulär waren.

    An dieser Stelle muss ich aber auch erwähnen, dass es viele Menschen nicht geschafft haben, zu fliehen. Es ist nicht so leicht, verlässliche Zahlen zu finden, gesichert sind wohl 140 Menschen, die den Fluchtversuch über die Berliner Mauer nicht überlebt haben. Sie wurden entweder von Grenzsoldaten erschossen oder sie ertranken in der Spree. Rund 500, manche gehen auch von doppelt so vielen aus, starben an der Grenze der DDR zur BRD. Und das nur, weil sie ihre Freiheit wollten und dort leben, wo sie selber es wollten. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder?

    Noch ein Schlüsselwort, das du in diesem Zusammenhang kennen musst: Republikflucht. So bezeichnete man damals die Flucht aus der DDR. Wenn du die Wörter in diesem Text nicht verstehst, dann schlag sie bitte nach. So vergrößerst du deinen Wortschatz mit jeder Episode Slow German. Oder werde Premium-Mitglied, das geht auf Patreon oder auf slowgerman.com, dann bekommst Du zu jeder Episode eine Vokabelliste Deutsch-Englisch und dazu noch Lernmaterial. Bis zum nächsten Mal!

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In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.
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